Die SPD Haar trauert um Altbürgermeister Hans Wehrberger, der nach kurzer, schwerer Krankheit am 2. Januar im Alter von 84 Jahren verstorben ist. In seiner Amtszeit von 1984 bis 1992 hat er die Entwicklung Haars entscheidend geprägt.
Aufgewachsen in Haidhausen zog Hans Wehrberger 1973 gemeinsam mit seiner Frau Gisela und den drei Töchtern nach Haar in das Neubaugebiet am Jagdfeldring. Die Familie gehörte damit zu den Pionierfamilien des neuen Ortsteils, der zu dieser Zeit noch weitgehend Baustelle war. Die Wehrbergers engagierten sich von Beginn an vor Ort: Hans im Jagdfeld-Ausschuss und als Elternbeirat, seine Frau wurde 1978 in den Gemeinderat gewählt.
Seine berufliche Laufbahn begann Hans Wehrberger bei Siemens. Nach der Lehre arbeitete er sich bis zum Abteilungsleiter des Rechenzentrums hoch. 1976 wechselte er zum Landesverband der Betriebskrankenkassen und leitete dort ein Rechenzentrum, das für 378 Betriebskrankenkassen im Süden Deutschlands zuständig war.
Trotz dieser erfolgreichen Karriere entschied sich Hans Wehrberger Anfang der achtziger Jahre für den Wechsel in die Kommunalpolitik. Es waren bewegte Zeiten für die SPD damals. Die Wahlen 1978 waren krachend verlorengegangen, nachdem Willy Träutlein als amtierender Bürgermeister aus der SPD austrat und als Parteifreier kandidierte. Es folgten sechs Jahre des Stillstands und die drohende Verlagerung des Rathauses an die B 304. Das engagierte Eintreten unseres Ortsvereins für den Erhalt des Rathauses in der Ortsmitte, war es schließlich, der Hans Wehrberger dazu bewog, gegen Michael Pinker von der CSU in den Ring zu steigen. Er kandidierte für uns als Bürgermeister, führte einen hochengagierten Wahlkampf mit zahllosen Hausbesuchen, und wurde gewählt.
Damit bekleidete erstmals ein Mann das höchste Amt im Haarer Rathaus, der weder Landwirt noch Beschäftigter des Bezirkskrankenhauses war, dem heutigen Isar-Amper-Klinikum München-Ost. Dies stand für Aufbruch.
Bereits vier Monate nach seinem Amtsantritt musste Wehrberger seine Feuertaufe bestehen. Eine Hagelkatastrophe mit tennisballgroßen Hagelkörnern verursachte Schäden ungeheuren Ausmaßes an Gebäuden und Fahrzeugen. In der Organisation der Hilfe, von der Beschaffung von Plastikplanen über den Einsatz von Hilfskräften bis hin zur Koordination von Dachdeckerbetrieben, zeigte sich erstmals die hohe Managementqualität und ausgeprägte Bürgernähe des neuen Bürgermeisters.
Hans Wehrberger konnte zuhören, Ideen aufnehmen und konsequent umsetzen. In seinen Amtsjahren wurde der Ortskern zügig saniert, das Maria-Stadler-Haus errichtet, das Rathaus um- und ausgebaut, die „alte Schule“ saniert, das Bürgerhaus gebaut, die Dragoni-Villa für Bücherei und Familienzentrum erworben sowie der Kirchen- und der Bahnhofplatz neugestaltet. Städtebaulich gelang es, die Identität des Ortes zu bewahren und zugleich Raum für Neues zu schaffen. Mit dem Sport- und Freizeitpark sowie dem Gewerbe- und Siedlungsgebiet in Eglfing gelang der Sprung über die Bahnlinie. All diese Vorhaben wurden ohne zusätzliche Mitarbeiter und innerhalb des geplanten Kostenrahmens verwirklicht.
Gleichzeitig war Wehrbergers Arbeit von Themen geprägt, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Er setzte sich gegen Mieterhöhungen im Jagdfeld ein und engagierte sich für den Erhalt der Sozialwohnungen. Durch die Erhöhung des Baurechts in den alten Haarer Siedlungsgebieten sowie die Ausweisung von Bauland in Eglfing wurde Wohnraum für rund 4.000 Menschen geschaffen.
Heftig umstritten war 1987 die Ausweisung von rund 60 Hektar Bannwald anstelle eines Gewerbegebiets im Osten Haars. Eine erster detaillierter Landschaftsplan sicherte die Grünflächen im Haarer Norden und verhinderte die Erschließung von Neu-Riem über Haarer Flur.
Wehrberger erkannte kommende Herausforderungen früh
Als erste Kommune im Landkreis setzte Haar unter seiner Führung die Anstellung einer Umweltreferentin im Rathaus durch. Zudem wurden eine Baumschutzverordnung erlassen und eine Energiesparberatung angeboten.
Es entstanden die Park-and-Ride-Plätzen am Haarer S-Bahnhof und die Ortsteile wurden durch Radwege besser verbunden und die Vockestraße sicherer gestaltet. Der Jagdfeldring wurde durch Schrägparkbuchtenverkehrsberuhigt, nicht ohne kontroverse Diskussionen. Mit der Einführung von Tempo 30 in allen Wohnstraßen und der Einrichtung der ersten Kinderkrippe nahm Haar im Landkreis eine Vorreiterrolle ein. Viele dieser Maßnahmen, die damals kontrovers diskutiert wurden, sind heute selbstverständlich.
Die Leistungen von Hans Wehrberger wurden auch in der freien Wirtschaft aufmerksam verfolgt. Siemens bot ihm die Stelle als Geschäftsführer der Siemens Betriebskrankenkasse an und eröffnete ihm damit die Chance auf den Traumberuf entsprechend seiner ursprünglichen Ausbildung. Mit 50 Jahren entschied er sich deshalb noch einmal, etwas Neues anzupacken, und blieb dort bis zu seinem Ruhestand.
Die Entwicklung Haars unter der Führung von Hans Wehrberger hat maßgeblich die Qualität unserer Stadt geprägt, auf die heute parteiübergreifend alle mit Recht stolz sind.
Wir werden Hans Wehrberger immer ein ehrendes Gedenken bewahren und ihn nie vergessen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
Helmut Dworzak
Altbürgermeister, Ehrenbürger
Raul Würfl
OV-Vorsitzender
Peter Schießl
stv. Fraktionssprecher