„Soziale Teilhabe ist ein gemeinsames Anliegen und entsteht vor Ort.“ Mit diesen Worten eröffnete SPD-Stadtratskandidat Christopher Wolter den zweiten Bürger:innen- Dialog „Haar für alle“. In Haar sei bereits viel gewachsen – doch reicht das aus? Ist Haar im sozialen Bereich also bestens aufgestellt? Mitnichten, darin waren sich Gäste und Referentinnen einig. Gewünscht werden wieder mehr soziale Beratung im Rathaus, bessere Koordination sowie eine stärkere Vernetzung der bestehenden Angebote.
Die Stadt Haar ist stolz auf ihr dichtes soziales Netz. Für nahezu jede Altersgruppe gibt es Angebote, die über die kommunalen Pflichtaufgaben hinausgehen. Vieles wurde unter SPD-Führung auf den Weg gebracht. Neben hauptamtlichen Kräften in Kitas, Schulen, Jugendzentren und Senioreneinrichtungen tragen vor allem Ehrenamtliche in Vereinen, Initiativen und Institutionen dieses Netz.
„Es dürfte nicht viele Kommunen geben, die ihre ‚Tafel‘ mitten im Ort haben“, betonte Eva Genseleiter vom Leitungsteam des „Haarer Tischs“. Die Idee dazu entstand beim Neubau des Setzerhofs unter Altbürgermeister Helmut Dworzak. „Ehrenamt braucht Räume, verlässliche Finanzierung, Unterstützung bei Verwaltungskosten und Miete sowie eine Plattform für Sichtbarkeit“, so Genseleiter. Über den Facebook-Account der Stadt habe man kürzlich sogar einen neuen Fahrer gewinnen können. „Diese Zusammenarbeit ist wichtig, damit Ehrenamtliche nicht überlastet werden.“ Gemeinsam mit Marianne Mück vom Asylhelferkreis sprach sich Genseleiter für regelmäßige „Runde Tische“ im Rathaus aus. Vereine und Initiativen könnten so voneinander lernen, sich ergänzen und Doppelstrukturen vermeiden. Mück regte zudem kommunale Überbrückungshilfen an, wenn staatliche Leistungen verspätet ausgezahlt werden.
In Haar leben rund 25.000 Menschen, weniger als fünf Prozent beziehen staatliche Hilfen. Für Bürgermeisterkandidat Peter Schießl ist soziale Teilhabe dennoch ein zentrales Thema: „Wir sprechen über Inklusion von Menschen mit Behinderung und Integration von Geflüchteten – aber auch über Familien und Alleinerziehende, die trotz Arbeit arm sind. Sie verdienen zu viel für staatliche Hilfen, aber zu wenig für ein gutes Leben.“ Den Rahmen für ein gelingendes Miteinander müsse die Politik schaffen. Genau hier sieht Schießl Handlungsbedarf.
„Seit 2020 gibt es im sozialen Bereich keine Weiterentwicklung mehr“, kritisierte er. „Teilweise werden Hilfen sogar gekürzt oder gestrichen.“ Als Beispiele nannte er die seit drei Jahren ausgesetzten Weihnachtsbeihilfen für Bedürftige, die Abschaffung des sozialen Mietkonzepts sowie geplante Mieterhöhungen bei kommunalen Wohnungen von bis zu elf Prozent alle drei Jahre. Auch die angekündigte Beratung im Sozialamt zu Leistungen des Landratsamts habe wegen personeller Engpässe nicht stattgefunden.
SPD-Fraktionssprecher Thomas Fäth versprach Entlastung für Familien: „Wir wollen wieder bezahlbare kommunale Wohnungen bauen und die Kita-Gebühren einkommensabhängig staffeln.“ Auch bei steigenden Eintrittspreisen für die Bäder setze sich die SPD für sozialverträgliche Lösungen ein. „Gerade unter Rentnerinnen und Rentnern gibt es viele, die jeden Euro umdrehen müssen.“
Mit Blick auf die Zukunft wies Eva Genseleiter auf den wachsenden Unterstützungsbedarf älterer Menschen hin: „Wer – wie ich – den Ruhestand vor Augen hat, fragt sich, wie es sein wird, wenn man nicht mehr alles allein bewältigen kann.“ Ambulante Hilfen im Alltag würden an Bedeutung gewinnen, auch Unterstützung bei digitaler Teilhabe sei wichtig.
Hier könnten Jugendliche einen Beitrag leisten, schlug Tanja Kuttner von der Jugendsozialarbeit an der Mittelschule vor: „Sie könnten beim Einkaufen oder im Garten helfen oder das Smartphone erklären – und bekommen im Gegenzug vielleicht ein selbstgekochtes Essen. Das ist für viele nicht selbstverständlich.“ Solche Begegnungen stärkten das Verständnis zwischen den Generationen.
Zum Abschluss appellierte Kuttner an mehr Mut und Aufmerksamkeit im Alltag: „Wir können Perspektiven wechseln, uns in andere einfühlen und miteinander sprechen.“ Aus Beziehungen entstünden Verständnis, Lösungen – und ein gutes Miteinander. Und genau dafür steht die Haarer SPD.
Raul Würfl
OV-Vorsitzender