Liebe Genossinnen und Genossen Liebe Haarerinnen und Haarer, Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich freue mich sehr, dass sie so zahlreich zu unserem Neujahrsempfang gekommen sind und möchte Ihnen an dieser Stelle zuerst einmal ein gutes gesundes erfolgreiches und zufriedenes neues Jahr wünschen.
Ein Neujahrsempfang ist traditionell ein Moment des Innehaltens und des Rückblicks, aber auch des Ausblicks.
Dieser wird dieses Mal etwas länger, denn 2026 ist ein Wahljahr – ein Superwahljahr in Deutschland mit fünf Landtagswahlen und – für uns am wichtigsten – Kommunalwahlen in Bayern. Die Haarerinnen und Haarer entscheiden am 8. März, in welche Richtung unsere Stadt die nächsten sechs Jahre gehen wird.
Bevor wir jedoch nach vorne schauen, lassen sie uns auf 2025 zurückblicken.
Das letzte Jahr war weltweit ein Jahr großer Erschütterungen und Unsicherheiten. Die internationale Lage hat uns erneut vor Augen geführt, wie fragil Frieden Stabilität, Demokratie und wirtschaftliche Sicherheit sind. Das Leiden der Menschen im Gazastreifen und in der Ukraine nimmt kein Ende. Menschenrechte und das Völkerrecht werden ignoriert und mit Füßen getreten.
Die Motivation für die Unterstützung hungernder frierender und verzweifelter Menschen fußt nicht mehr auf gemeinsamen Werten wie Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl und Verantwortung, sondern es zählt nur noch die Möglichkeit eines größtmöglichen Deals.
Die USA verlassen nach und nach Bündnisse, internationale Abkommen und Verträge. Für Donald Trump zählen ausschließlich lukrative Abschlüsse für amerikanische Unternehmen einerseits, aber auch für seine eigene Tasche und die seiner Familie (Unfassbar, dass darüber auch in unseren Medien, nahezu unkommentiert berichtet wird.)
Ein Friedensschluss nach US-Muster zwischen Russland und der Ukraine muss amerikanischen Firmen mindestens 50% des Gewinnes am Wiederaufbau der Ukraine sichern. Und aus dem Gazastreifen wird, wenn es nach ihm geht, eine Riviera des Nahen Ostens, erbaut von amerikanischen Firmen. Was aus den Palästinensern wird, die dort leben, interessiert ihn nicht.
Jüngstes Beispiel Venezuela. Ohne die dortigen großen Ölvorkommen wären Trump und seine Gefolgschaft kaum gegen Maduro vorgegangen. Nächstes Ziel auf der Trump-Agenda: Grönland. Auch dort gibt es einiges zu holen. Alles in allem ungenierter Imperialismus.
Ich hoffe sehr, dass wir Europäer es schaffen, zu einer Einheit zu finden, um im Spiel der Großmächte nicht aufgerieben zu werden und diesem Denken etwas entgegensetzen.
Auch in Deutschland war 2025 ein Jahr der Entscheidungen und Debatten. Es geht um die Zukunft unseres Wirtschaftsstandortes, um bezahlbares Wohnen, um sichere Arbeitsplätze, um die Finanzierung unserer Kommunen und um die Eindämmung der stetig steigenden Lebenshaltungskosten.
Und es geht ganz grundlegend um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Viele Menschen spüren Verunsicherung und Angst, wenn sie an ihre Zukunft denken.
In der neugewählten Bundesregierung ist die SPD der Junior-Partner. Als solcher müssen wir dafür Sorge tragen, dass nicht nur über die Entlastung der Unternehmen diskutiert wird, sondern es auch zu einer Entlastung der steuerzahlenden Bevölkerung kommt.
Gerade im Osten, aber auch zunehmend bei uns, vertrauen zu viele Menschen nicht mehr den etablierten demokratischen Parteien, sondern erhoffen sich Aufschwung von einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem verdächtigen Partei, die die Mittel unserer demokratischen Gesellschaft nutzt, um sie letztendlich abzuschaffen.
Unsere freiheitlich-demokratische Ordnung und Lebensweise war – seit ich auf der Welt bin – noch nie so gefährdet wie jetzt. Deshalb dürfen wir den sozialen Zusammenhalt In unserer Gesellschaft nicht aus den Augen verlieren, er muss der Maßstab unseres Handelns sein – im Großen wie im Kleinen
Und was war los in Haar?
Wir wurden zur Stadt ernannt, haben ausführlich gefeiert, obwohl wir – nach Meinung der CSU - praktisch kurz vor der Pleite stehen und deshalb die 50 € Weihnachtsgeld für die Bedürftigen wieder nicht genehmigen konnten, und der Stadtrat hat mehrheitlich Entscheidungen getroffen, die Haar, wenn diese dann so umgesetzt werden, radikal verändern und die Auszeichnung „Flächenbewusste Kommune“, die die Gemeinde für ihre jahrzehntelange, vorbildliche Ortsentwicklung bekommen hat, ad absurdum führen. Es waren diese Entscheidungen, die uns unser Wahlkampfmotto haben finden lassen: Haar gestalten - für uns heute und unsere Kinder morgen. Manche mögen denken, dies sei ja eine Selbstverständlichkeit in der Kommunalpolitik, aber leider ist dem momentan nicht so.
Die konservative Mehrheit im Haarer Stadtrat und Teile der Grünen sind eher dabei, unseren Ort zu verunstalten und die Zukunft zu verbauen. Wer das letzte Parteiblatt der CSU gelesen hat, konnte einige Beispiele und auch die damit verbundene Denkweise erfahren.
Es beginnt bereits damit, dass der so genannte Faktencheck Gegenargumente von vornherein als Gerüchte bezeichnet, was ein treffendes Bild der Diskussionskultur in unserem Stadtrat zeichnet. Ich vermisse seit Jahren eine inhaltlich sachliche Auseinandersetzung und Abwägung. Es bestimmen mehr oder weniger Bürgermeister und Verwaltung. Es wird nicht in Zusammenhängen gedacht und Planungsprinzipien werden missachtet, so zum Beispiel beim Schulcampus im ehemaligen MSD-Gebäude. Ich verkenne nicht, dass momentan die Ansiedlung von neuen Betrieben schwierig ist, vielleicht sogar schwerer als früher. Bei geringeren Gewerbesteuereinnahmen gilt es, bei den Ausgaben Prioritäten zu setzen und auch Investitionen, sei’s eine verkehrsberuhigte Leibstraße oder ein Schulcampus, zu verschieben. So wie es heute zahlreiche Gemeinden und Städte machen. Mir ist aber keine Kommune bekannt, die ihren besten Gewerbestandort deshalb aufgibt.
Der Trend von Betrieben zur Innenstadt wird sich auch wieder drehen. Und auch in Zukunft werden moderne Dienstleistungsfirmen ihren Standort im Münchner Raum suchen. Heute den Gewerbe Premium Standort am Lindenplatz aufzugeben, ist kurzsichtig. Wir brauchen ein beharrliches Standortmanagement – nichts davon haben wir im Stadtrat mitbekommen - und auch einen langen Atem. Wer einem Investor aber mit der öffentlichen Hand vor der Nase wedelt und den Ankauf des Gebäudes in Aussicht stellt, der braucht sich nicht wundern, dass man die Belegung aussitzt, statt offensiv zu vermarkten.
Wie seit einiger Zeit leider üblich, würzt die CSU die Standortfrage gleich noch mit einer Prise Angst: Das Gebäude würde als Flüchtlingsunterkunft diskutiert, wo wir doch in Haar bereits eine so große Zahl untergebrachter Flüchtlinge hätten. Kein Wort davon, dass der Stadtrat dem zustimmen müsste, Hauptsache man schafft Verunsicherung. Entschuldigen Sie, aber das ist – vorsichtig formuliert – ganz schlechter Stil.
Dann darf natürlich auch das Klima- und Umweltargument nicht fehlen. Leider in Haar mittlerweile zum Schlagwort verkommen. Natürlich ist es sinnvoll bestehende Gebäude weiter zu nutzen. Dann doch bitte halt auch als Gewerbestandort, was ja der grundlegenden Architektur auch entspricht. Der Umbau in ein Schulgebäude ist immer nur eine zweitbeste Lösung im Vergleich zu einem neu konzipierten Gebäude. und ob das billiger werden soll, wage ich sehr zu bezweifeln. Ich befürchte eher das Gegenteil.
Ein Schulcampus direkt an der S-Bahn ist für ca.90 % bei der FOS und etwa 70% der Realschülerinnen und Realschüler, die ja aus München und dem Umland kommen, angenehm, aber nicht zwingend. Anders bei modernen Dienstleistern, die höchsten Wert auf eine öffentliche Verkehrsanbindung legen. Und wir haben in Haar nur diesen einen entsprechend privilegierten Standort, keine fünf Minuten vom S-Bahnhof Haar entfernt. Den geben wir nun auf und verlagern an die Finckwiese - kommen Sie da mal vernünftig mit den Öffentlichen hin…
Es ist die Rede davon, dass momentan nur Produktionsbetriebe zu gewinnen seien. Hier müsste die Stadt sehr genau hinschauen. Wie bei der Ansiedlung von attocube gezeigt wurde, sind sehr wohl leichte Industriefertigung, Labore und Entwicklung in Gebäuden wie in Eglfing möglich. Großflächige Produktionsbetriebe – um es klar zu sagen: ein Industriestandort – schauen Sie nach Parsdorf hinter Segmüller, so schaut das dann aus! - müssen auf die grüne Wiese, was für Haar als flächenmäßig zweitkleinste Kommune des Landkreises problematisch ist, zudem in der Produktion die Ertragskraft pro Quadratmeter relativ gering ist. Die Finckwiese ist der noch einzig mögliche größere Gewerbestandort. Wir hatten ihn früher immer für ein Premium-Gewerbe vorgehalten, Sie erinnern sich an die Bewerbung für BMW, wo wir leider nur zweiter Sieger wurden. Dass die Stadt jetzt großflächige Industriehallen genehmigt und die Unternehmensauswahl allein in die Hände des privaten Grundstücksbesitzers und Investors legt, ist alles andere als eine Garantie für nennenswerte zukünftige Gewerbesteuereinnahmen. ABER: Unser Ortsbild wird sich massiv verändern. Eine transparente Diskussion mit dem Stadtrat und der Bürgerschaft findet nicht statt, übrigens auch nicht mit der Bürgerinitiative. Stattdessen werden wir alle im Nachgang „informiert“. Und auch hier wird nur eine Teilfläche geplant und nicht die Gesamtfläche in ein Konzept einbezogen.
Das gleiche Vorgehen können wir in der Blumenstraße beobachten. Die CSU formuliert: Feuerwehr versus Rodelhügel. Die Feuerwehr benötigt im westlichen Haar einen zusätzlichen Standort für zwei Fahrzeuge und Geräte. Die Stadtratsmehrheit, leider mittlerweile auch Teile der Grünen-Fraktion, halten die einzige kommunale Grünfläche im westlichen Haar dafür für besonders geeignet, weil sie der Stadt gehört und dort ein Ausrücken ohne Rangiermanöver möglich ist. Die CSU sagt, eine geschlossene Schneedecke gebe es eh kaum mehr und die meisten Haarer Kinder rodeln eh am liebsten am Gorillaberg, dessen Bestand uns die CSU garantiert. Wie schön. Dann mal alle Kinder bei den wenigen Schneetagen zum „Affenberg“ – wie er neuerdings in deren Kreisen heißt.
Während landauf landab Städte Grünflächen innerorts wiederherstellen, um dem Klimawandel und seinen Folgen entgegenzuwirken, dient bei uns der Klimawandel mit den wärmeren Wintern als Argument zur Beseitigung von Grünflächen. Dabei geht es um Bewahrung von wohnungsnahen Spielflächen, Grundwasserschutz und Mikroklima – um Städteplanung eben. Die einzige kommunale Grünfläche im Haarer Westen soll für Garagen genutzt werden.
Das danebenliegende städtische Gewerbegebiet, zum großen Teil als Lagerflächen benutzt und auch heutiger Standort der Feuerwehrgaragen wird nicht einmal näher untersucht auf eine entsprechende Eignung. Einen entsprechenden Antrag der SPD lehnte der Stadtrat ab. Warum? Dazu gibt es keine konkreten Äußerungen. Warum an Konzepten arbeiten, wenn die Bebauung von Grünflächen doch so einfach ist. Wieder einmal werden die Haarer Leitlinien, Umwelt und Klimaschutz schlichtweg ignoriert oder verkommen zu Worthülsen für Festtagsreden und Wahlkampfzeitungen.
Und wenn wir uns gerade darüber gefreut haben, dass uns der Gorillaberg erhalten bleibt, so schaut es zu seinen Füßen ganz anders aus. Ein Großteil der Grünflächen wird mit einem erdgeschossigen Modul-Bau-Kindergarten, ein modernes Wort für Container, zugebaut. Keine Gesamtplanung bezüglich der neuen Jugendfreizeitstätte DINO und ihrer Freiflächen. Keine Rücksicht auf die vielen Anlieger, gerade aus dem Geschosswohnungsbau, die diese Fläche häufig für Familienfeiern, Picknick und Freizeit nutzen. Offensichtlich ist aber die ganze Kita und ihr Flächenverbrauch selbst den jetzigen Befürwortern nicht ganz geheuer, denn sie betonen, dass ja die gesamten Gebäude wieder komplett abgebaut werden könnten im Rahmen einer klimafreundlichen Kreislaufwirtschaft. Wir investieren also in Millionenhöhe für den Abriss.
Anstatt in der Rechnerstraße innerörtlich, den bereits geplanten Kindergarten als erstes zu verwirklichen, dafür zu sorgen, dass die leeren Gruppenräume in den bestehenden Kindergärten genutzt werden, wieder der einfach schnelle Weg: Grünflächen verbauen. Die Stadtplanung hat mittlerweile in Haar größtenteils die technische Bauabteilung übernommen. Architekten und Städteplaner werden nicht mehr hinzugezogen.
Dies sind einige Beispiele dafür, dass unser Ort eine Entwicklung nimmt, die die meisten Mitbürgerinnen und Mitbürger erst über die Jahre realisieren werden.
Deshalb brauchen wir auch in Zukunft eine Politik, die sozial gerecht, ökologisch verantwortungsvoll und wirtschaftlich vernünftig ist.
Eine Politik, die nicht verwaltet, sondern gestaltet. Die nicht nur reagiert, sondern vorausschauend handelt, so wie es in Haar unter SPD-geführten Verwaltungen immer war.
Im März entscheiden die Bürgerinnen und Bürger, welchen Weg Haar in den kommenden Jahren gehen soll. Diese Wahl ist eine Richtungsentscheidung.
Ich kandidiere als Bürgermeister, weil ich davon überzeugt bin, dass Haar eine starke, soziale und zukunftsorientierte Führung braucht. Eine Führung, die die Menschen sieht, mitnimmt und transparent entscheidet.
Und ich habe ein buntes, starkes, engagiertes und gestaltungswilliges Team hinter mir,
das unsere Ziele glaubhaft verkörpert und vielfältig in Haar verknüpft ist.
Schaut in unser Wahlprogramm, das ihr auf unserer Homepage findet und das hier auch ausliegt.
Wir wollen eine andere Politik: unser Haar gestalten für uns heute und unsere Kinder morgen.
Und dazu bitte ich um eure Unterstützung. Lasst uns in den nächsten zwei Monaten für eine bessere Zukunft unserer Stadt kämpfen.
Peter Schießl
Bürgermeisterkandidat